Ohne Handy unterwegs…

Wenn ich mit Filou spazieren gehe, was mehrmals am Tag der Fall ist, dann gehören je nach Tageszeit und Reiseziel natürlich die verschiedensten Utensilien mit in den Rucksack.

Von einer 30-m-Leine für den Freiheitsdrang im Hund über Toilettenbeutel, Handschuhe und Desinfektionsmittel bis hin zu Taschentüchern, Getränken und Leckerchen (für Filou und mich).

Außerdem darf natürlich der wichtigste Begleiter des modernen Menschen, des „Homo Digitalis“, nicht fehlen: Das Smartphone!

Wobei, in meinem Fall eigentlich doch. Natürlich wird es fast immer mitgenommen, schon allein, weil ich ja für Kunden (und solche, die es werden wollen) durchgängig erreichbar sein muss möchte. Also aus beruflichen Gründen.

Aber es gibt Situationen, bei welchen das Smartphone daheim bleibt. Unabsichtlich. Meistens, weil es von mir irgendwo liegengelassen wurde und sich dann eben nicht in Sicht- und Griffweite befindet, bevor wir das Haus verlassen.

Gestern Nachmittag beispielsweise. Wir waren ein bisschen spät dran und ich wollte nach der Gassirunde noch einkaufen. Also schnell Rucksack, Portemonnaie, Schlüssel gepackt – und los!

Erst unterwegs auf halber Strecke fiel mir auf, dass mein Handy ausnahmsweise mal nicht in der Hosentasche unangenehm drückte. Vergessen! Vor meinem geistigen Auge sah ich ein einsames Smartphone traurig zu Hause auf dem Schreibtisch liegen.

Naja, okay. Alles halb so schlimm. Wichtige Anrufe erwartete ich nicht und für alles andere gab es ja den Anrufbeantworter. Aber da war dann doch noch irgendetwas anderes.

Spontan schoss mir durch den Kopf, was denn „im Fall der Fälle“ wäre?

Immerhin wanderten wir einen relativ einsamen Waldweg entlang. Nein, ich hatte keine Angst, von einem irren Serienmörder mit einem Ast erschlagen zu werden. Aber wie schnell verstaucht man sich auf dem unebenen Waldboden den Knöchel oder der vierbeinige Begleiter tritt sich etwas in die Pfote oder… nicht auszudenken, was so alles passieren könnte!

Andererseits… wie konnte man früher nur auf diese Sicherheit verzichten?! Ich meine, die Menschen gingen da auch raus in die „unbekannte Wildnis“ und machten sich vermutlich eher wenig Gedanken, wie man im Notfall Hilfe herbeiruft.

Heutzutage scheint ständige Erreichbarkeit selbstverständlich zu sein. Und viele akzeptieren dabei bewusst oder unbewusst, die Möglichkeit einer permanenten elektronischen Verfolgung und Überwachung:

Mobiltelefone sind dauerhaft mit dem Funknetz des Providers und so meist auch mit dem Internet verbunden. Über eine Funkzellenortung oder via den in fast allen Smartphones verbauten Satelliten-Navigationsmodulen, kann die exakte Position des Geräts bestimmt und so bei Bedarf – mit oder ohne Zustimmung des Betroffenen – an wen auch immer übermittelt werden.

Im Hintergrund laufende Apps sind zumindest theoretisch in der Lage, jederzeit auf das verbaute Mikrofon und andere Sensorik Zugriff zu nehmen, gespeicherte Daten abzurufen, Gespräche aufzuzeichnen oder die Nutzung des Geräts zu tracken.

Als alter IT-Nerd mit Erfahrung in Programmierung und Security kann ich versichern: Das alles ist – ein wenig Expertise vorausgesetzt – technisch problemlos umsetzbar.

In Europa führen wir meiner Meinung nach eine fehlgeleitete Diskussion in Sachen Datenschutz:

Die DSGVO schuf einen Wust an mal mehr, mal weniger sinnigen Vorschriften für Unternehmen. Große Internetkonzerne wollte man treffen (schaffte es aber nicht wirklich), die Kollateralschäden bei kleinen Firmen und Privatpersonen nahm man offenbar in Kauf:

Zwar führte die DSGVO bei so manchem sorglosen Internet-User zu einem etwas überlegteren Umgang mit den eigenen Daten. Aber sie hatte auch zur Folge, dass das Web um etliche Attraktionen ärmer wurde. Besonders semiprofessionelle Webprojekte von Hobbyisten, die sich bislang mit dem Verkauf von Werbeplätzen ein paar Euro zur Kostendeckung dazu verdient hatten, scheuten den Aufwand und beendeten lieber ihre Aktivitäten.

Ähnliches galt für kleine Publisher, welche das Netz als kostengünstige Plattform für eigene Publikationen auserkoren hatten und nun teils mittlere fünfstellige Summen in die Hand hätten nehmen müssen, um die eigene IT-Infrastruktur DSGVO-konform zu machen.

Aber fast niemand kümmert sich um die Datensammelwut staatlicher und halbstaatlicher Organisationen, die oft unter dem Vorwand der Verbrechensbekämpfung und Wahrung der „persönlichen Sicherheit“ schon lange den gläsernen Bürger fordern. Und ihn zunehmend bekommen.

Wer nichts zu verbergen hat, müsse sich ja nicht fürchten, so das platte Credo der Befürworter staatlicher Massenüberwachung. Aber seit wann muss ich als Bürger meine Unschuld beweisen?!

Fast wäre ich bei meinen gedanklichen Ausflügen im Realen über eine hervorstehende Baumwurzel gestolpert. Gerade in diesem Moment fasste ich den Entschluss, mein Handy ab sofort häufiger zu Hause zu lassen. Und ich fühlte mich trotzdem sicher…