Gute Recherche… und wie aufwändig sie sein kann (selbst für triviales)

Ich betreibe unter anderem ein kleines Web-Magazin namens DigitalLifestyle. Dort geht es um Alltagsthemen wie Wohnen, Leben und Geld.

Nun könnte man annehmen, dass einem routinierten Schreiberling das Erstellen solcher Artikel flink von der Hand geht, ja nachgerade die Tastatur glüht… doch so einfach ist es nicht!

Der Zeitfresser – einmal abgesehen vom obligatorischen Bildmaterial – nennt sich „Recherche“:

Ich weiß, in Zeiten von Clickbait, halben Wahrheiten und ganzen Lügen, ist das für viele auf Reichweite getrimmte Journalisten eine eher lästige Sache. [Das sollte jetzt ein Scherz sein. Ich hoffe doch, dass die überwiegende Mehrheit meiner Kollegen sauber arbeitet. Wunschdenken?]

Wenn ich anderen von meiner Arbeit erzähle und beispielsweise mit viel Enthusiasmus in der Stimme beschreibe, wie ich gerade über einem Artikel zum Thema „Baseballcaps richtig waschen“ sitze, ernte ich vielleicht ein unterdrücktes Lachen, auf jeden Fall eine hochgezogene Augenbraue.

Wie schwierig kann es denn sein, über so etwas triviales zu berichten? Ziemlich schwierig!

Immerhin möchte ich nach Veröffentlichung keine wütenden Mails von Lesern erhalten, die sich darüber aufregen, dass ihre Kopfbedeckungen nun einem Sechsjährigen passen oder in der Waschmaschine völlig ihre Farbe verloren hätten.

Wenn ich an ein solches Thema herangehe, bedeutet das für mich also erst einmal Informationen zu sammeln, sprich verschiedene Quellen zu suchen und diese auszuwerten.

Natürlich spielen auch eigene Erfahrungen eine Rolle (die ich als Träger ebensolcher Mützen durchaus mitbringe). Aber ganz wichtig sind und bleiben differenzierte Quellen.

Was den erwähnten Artikel betrifft, habe ich sowohl die Websites etlicher Hersteller und Händler von Baseball-Caps bemüht als auch einige Frage-/Antwort-Communities durchforstet. Letztere erwiesen sich übrigens als wenig hilfreich (selten so viel Blödsinn gelesen).

Und das dauert eben seine Zeit. Mit Recherche, Schreibarbeit und anschließender Korrektur saß ich sicherlich gute drei Stunden über dem Artikel. Die Bilderstrecke und das Beitragsfoto benötigten mit Nachbearbeitung nochmal einen knappen halben Tag.

Es mag sicherlich Autoren geben, die einfach die Suchmaschine ihres Vertrauens mit diversen Stichwörtern füttern und dann einen bereits vorhandenen Text unreflektiert *hust* „ausleihen“, aber dazu gehöre ich definitiv nicht. Klar lese ich, was bereits so zum Thema geschrieben wurde, das gehört nämlich ebenfalls zu einer guten Recherche.

Aber sobald ich ruhigen Gewissens meinen Namen unter einen Text setze, dann habe ich diesen auch verfasst. Soll heißen: Alle Buchstaben, Worte und Satzzeichen stammen aus meiner Feder respektive Tastatur. Und alle genannten Fakten wurden sauber geprüft.

So kommt es eben, dass selbst ein profaner Lifestyle-Artikel über die richtige Pflege von Schirmmützen fast einen Arbeitstag in Anspruch nimmt, bevor er online geht.